Neuigkeit
Chemnitzer Entwickler nimmt Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig mit satirischem Online-Game hops
Neues Online-Spiel macht den stockenden Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig spielbar – satirisch, kostenlos und in Retro-Pixeloptik.
Wer immer mal mit der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) zwischen Chemnitz und Leipzig unterwegs ist, kennt die Probleme auf der Strecke: Häufige Zugausfälle oder Verspätungen, gerne mal Schienenersatzverkehr, weil – scheinbar kurzfristig – mal wieder irgendwo auf der Strecke irgendwas gebaut wird (weiß eigentlich jemand was?!). Immerhin, seit Ende Januar verkehren die ersten Akkuzüge auf der Strecke. Der zweigleisige Ausbau hingegen verzögert sich weiter.
Vor Kurzem, nach dem letzten sogenannten Bahngipfel zu diesem Thema mit allen beteiligten Akteuren aus Politik und Wirtschaft, erschien plötzlich ein neues, browserbasiertes Game mit eben diesem Namen: Bahngipfel. Zu finden ist es unter https://www.bahngipfel.de, wo es auch kostenlos spielbar ist.
Doch Vorsicht, bevor ihr jetzt alle die Seite aufruft: Das Spiel in herrlichster Pixel-Retro-Optik stellt eine echte Prokrastinationsgefahr dar. Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.
Also, worum geht’s? Beim Online-Spiel Bahngipfel seid ihr am Zug (sorry für das Wortspiel, we couldn’t resist) und sollt die Bahnstrecke Leipzig-Chemnitz zweigleisig ausbauen und elektrifizieren. Dafür steht euch zu Beginn des Spiels ein gewisses Budget zur Verfügung, welches ihr für die nötige Sanierung einzelner Streckenabschnitte verwenden könnt oder eben für den zweigleisigen Ausbau und die spätere Elektrifizierung.

Was erstmal einfach klingt, wird euch unter anderem von Bürgerinitiativen oder Bestrebungen des Bundesverkehrsministers torpediert, die plötzlich aufploppen – denn je nach eurer Entscheidung fallen Kosten an und ihr macht euch beliebt oder unbeliebt.
Und schwupp di wupp ist euer Budget auch schon aufgebraucht; ihr könnt nicht weiter sanieren oder ausbauen.
Doch keine Sorge, damit ist das Spiel nicht vorbei. Ihr beruft einfach einen Bahngipfel ein und veröffentlicht eine Pressemitteilung aus möglichst vielen Buzzwords. Umso schwurbeliger und unverständlicher die Pressemitteilung ist, umso mehr Budget bekommt ihr. Ihr könnt weiterbauen. Vorerst.

Und so vergehen im Game sehr schnell die Jahre, viele Jahre … Wie eben auch beim Ausbau der Strecke im echten Leben. Gleichzeitig ist das satirische Spiel aber so kurzweilig, dass man gern Zeit damit verbringt. Wir wollen niemandem etwas unterstellen, aber wer weiß, ob es den am Ausbau der Strecke beteiligten Akteuren nicht ähnlich geht mit ihrer Aufgabe.
Wer genau hinter dem Spiel steckt, ist übrigens nicht klar. Der MDR berichtete, der Spieleentwickler arbeite für eine Chemnitzer Software-Entwicklungsfirma, möchte aber nicht namentlich genannt werden. Angeblich war er so frustriert über den stockenden Ausbau und die Verzögerungen, dass er sich mit diesem herrlichen Satire-Spiel etwas Luft verschaffte. Wir finden, eine grandiose Art, mit Frust umzugehen.